Helmstedter Universitätstage

27. Helmstedter Universitätstage

 

  • 23. bis 26. September 2021

  • Thema: Seuche und Gesellschaft

Epidemien stellen in mehrfacher Weise historische Herausforderungen dar. Sie bedeuten den Einbruch des Unverfügbaren in die Alltagswelt, und sie bilden eine Bedrohung, deren Grauen aus ihrer Unaufhaltbarkeit erwächst, wie es Edgar Allen Poe in seiner Erzählung „Die Maske des roten Todes“ meisterhaft geschildert hat.

Verheerende Seuchen haben eine doppelte Wirkungskraft. Sie ändern den Lauf der Welt nicht allein in ihren medizinischen Folgen für die von ihr erfassten Gesellschaften, sondern auch infolge der mentalen Verstörung, die sie auslösen.

Coronavirus als Zäsur für politische Kultur 

Auch für die durch die Verbreitung des Coronavirus ausgelöste Pandemie der Gegenwart gilt, dass sie nicht nur ein schwer kontrollierbares Infektionsgeschehen darstellt. Sie erschüttert darüber hinaus das soziale Zusammenleben der europäischen wie der amerikanischen Gesellschaften und bedeutet eine Zäsur für die politische Kultur auf dem ganzen Globus.

Globale Seuchen stellen schließlich eine Herausforderung auch für die Geisteswissenschaften und insbesondere für die Geschichtsschreibung dar: Sie zwingen dazu, das Unerwartete, das womöglich vordem Unvorstellbare in die historische Erzählung einzupassen, sie ziehen vordem im Schatten liegende Facetten in das Licht der rückblickenden Betrachtung, und sie richten die Forderung an die Historiographie, Hilfestellung bei der Krisenbewältigung zu leisten.

Universitätstage diskutieren Chancen durch Krisen 

Die 27. Helmstedter Universitätstage 2021 versuchen Antworten auf diese drei Fragen zu bieten. Sie erörtern den Bedrohungscharakter historischer Epidemien, aber sie fragen auch nach den Chancen, die sich aus den gesellschaftlichen Krisen im Gefolge großer Seuchen ergaben, und sie bemühen sich, mit den Instrumenten der Geschichtswissenschaft einen Beitrag zum Verständnis der Covid-Pandemie als historischer Zäsur zu leisten.