Die Helmstedter Universitätstage suchen seit über dreißig Jahren den zeitgeschichtlichen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart. 2026 befassen sie sich angesichts der Rückkehr des Krieges nach Europa aus historischer Perspektive mit der Frage nach der Rolle der Diplomatie im Krieg.
Es ist uns eine Freude und Ehre, für die Eröffnungsrede Frau Prof. Dr. Gesine Schwan begrüßen zu dürfen. Sie wird zum Thema „Biographie und Zeitenwende “ sprechen.
Umrahmt wird die Veranstaltung mit einer Kino-Sondervorstellung, gezeigt wird der Film „In jenen Tagen“ von Helmut Käutner mit anschließendem Publikumsgespräch.
Der langjährige Lokalchef der Braunschweiger Zeitung Henning Noske wird aus seinem neuen Buch „Journalismus! Meine Bilanz“ lesen und mit dem Publikum dabei auch über die Frage „Krieg ohne Ende? Reden über den Weg zum Frieden“ diskutieren.
Anlässlich des diesjährigen 450-jährigen Jubiläums der Eröffnung der Helmstedter Universität freuen wir uns auf einen Regionalvortrag am Samstagvormittag vom Leiter der Helmstedter Kreismuseen, Herrn Dr. Matthias Meinhardt. Festlich enden werden die Helmstedter Universitätstage auch in diesem Jahr mit dem Gottesdienst in der St. Stephani Kirche. Die Predigt zum Thema „Versöhnung statt Vergeltung“ wird Dr. Dirck Ackermann, Leitender Militärdekan, Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr, halten. Auch ein Schülerseminar ist wieder Bestandteil der Helmstedter Universitätstage.
Zur Teilnahme laden wir Sie herzlich ein.
Wittich Schobert, Bürgermeister der Stadt Helmstedt
Tobias Henkel, Vorsitzender des Beirats der Universitätstage
Die Helmstedter Universitätstage suchen seit dreißig Jahren den zeitgeschichtlichen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In diesem Jahr steht ein Thema im Fokus, das nach dem Ende des Ost-West-Konflikts an den Rand des historischen Interesses gerückt war, bevor es mit Macht wieder in unsere Welt eindrang: der Krieg.
Insbesondere Russlands Überfall auf die Ukraine und der nach dem Überfall der Hamas auf Israel neu entbrannte Nahostkrieg haben die Suche nach der militärischen Konfliktlösung wieder zu einer alltäglichen Realität werden lassen, wie man sich das hierzulande bis zur jüngsten Zeitenwende kaum hätte vorstellen können. Mit diesem Wandel unserer politischen Kultur verbindet sich weniger ein neuer Militarismus als vielmehr die oft ratlose Frage, wie aus Krieg wieder Frieden werden kann.
Was aber kann die Geschichtswissenschaft zu dieser Suche nach Orientierung beitragen? Welche Wege aus dem Krieg kann die Historie weisen, welche Erkenntnisse aus dem Gelingen oder Scheitern von Friedensschlüsse ziehen? Inter arma silent leges – unter Waffen schweigen die Gesetze, heißt es. Aber stimmt das eigentlich? Gilt im Krieg die Macht der Waffen alles und die Kraft der Diplomatie nichts?
Die Vorträge der diesjährigen Universitätstage werfen einen Blick auf verschiedene Kriegskonstellationen von der Vormoderne bis zur Gegenwart. Ausgehend von klassischen Kabinettskriegen entfalten sie ein kleines Panorama von geglückten, verpassten oder sogar verschlimmernden diplomatischen Initiativen in Krieg und Kriegsgefahr. Es wird um den Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert ebenso gehen wie um den Ersten Weltkrieg und die Balkankriege der 1990er Jahre, bevor mit dem Gazakrieg und dem Ukrainekrieg auf prägende Konflikte der Gegenwart zur Sprache kommen.
Wie in jedem Jahr verspricht das Thema der Helmstedter Universitätstage anregende Vorträge und lebhafte Debatten. Ich darf Sie im Namen der Stadt Helmstedt herzlich einladen, am 25. und 26. September nach Helmstedt zu kommen, um in der ehrwürdigen Aula der früheren Universität die einzelnen Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu besuchen und darüber hinaus am abwechslungsreichen Rahmenprogramm der Universitätstage teilzunehmen, das am 24. September mit einer Filmvorführung im Helmstedter „Roxy“ beginnt und am 27. September mit einem Festgottesdienst in der ehemaligen Universitätskirche Sankt Stephani abschließt.
Prof. Dr. Martin Sabrow, wissenschaftlicher Leiter der Helmstedter Universitätstage
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zu den 32. Helmstedter Universitätstagen! Es ist uns eine Freude und ein besonderes Anliegen, diese traditionsreiche Veranstaltungsreihe auch in diesem Jahr als Hauptförderin zu begleiten. Mit dem Thema „Wege aus dem Krieg“ rücken die Helmstedter Universitätstage erneut eine Frage ins Zentrum, die uns als Gesellschaft zutiefst betrifft und zugleich über den Tag hinaus weist.
Selten zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges war die Welt in einem solchen Maß von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz berichtet für Anfang 2026 von etwa 130 bewaffneten Konflikte weltweit, von der Ukraine über den Nahen Osten bis hin zu Regionen Afrikas. Millionen Menschen sind auf der Flucht, unzählige Familien leben in Unsicherheit und Verlust. Diese Zahlen stehen nicht nur für geopolitische Krisen, sondern für menschliches Leid – und für die drängende Aufgabe, neue Formen des Friedens zu finden.
Gerade hier zeigt sich, welche Bedeutung Orte des Nachdenkens wie die Helmstedter Universitätstage haben. Sie schaffen Raum für Wissenschaft, Dialog und Erinnerung – und sie machen Mut, inmitten von Gewalt nach Verständigung zu suchen. Frieden entsteht nicht allein durch Waffenstillstand, sondern durch Einsicht, Bildung und gemeinsame Verantwortung.
Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz fühlt sich dieser Idee tief verpflichtet. Als Hüterin des kulturellen Erbes unserer Region tragen wir dazu bei, historische Bewusstseinsbildung zu fördern – und damit eine Kultur der Verständigung zu stärken. In Helmstedt, wo einst mit der Academia Julia einer der ältesten protestantischen Bildungsorte Europas entstand, wird diese Tradition lebendig fortgeführt: als Verbindung von Wissen, Geschichte und gelebter Demokratie.
In einer Zeit, in der Krieg wieder alltäglich geworden ist, sind Veranstaltungen wie die Helmstedter Universitätstage ein Appell an die Hoffnung – und an unsere gemeinsame Verantwortung, Wege aus der Gewalt zu suchen.
Ich wünsche Ihnen erkenntnisreiche Tage, inspirierende Begegnungen und Gespräche, die über die Tagung hinaus wirken.
Ulrich Markurth
Präsident der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz